Familienführung und Rückblick - Peter Baldinger

Anfang Oktober eröffnete Alexander Klee die Ausstellung von Peter Baldinger mit wunderbaren Worten, finden Sie die Rede unter den Fotos zur Ausstellung (©Raimund Siquans)

Wir freuen uns über das große Interesse durch die Gäste und natürlich über die den Besuch von Bürgermeisterin Anni Steindl, Vizebürgermeisterin Andrea Stöger-Wastell und Bürgermeister a. D. Norbert Heurteur.

 

Wir freuen uns, mit der aktuellen Saison ein Novum in unserem Programm vorstellen zu können:

Für Kinder und Erwachsene gibt es ab Herbst 2016 die Möglichkeit, unsere Ausstellungen bei einer "Familienführung" besonders erfahren zu können. Dabei schickt die erfahrene Kunst-Vermittlerin Mela Maresch Kinder und Erwachsene auf eine Entdeckungsreise durch die forums-Ausstellungen und schafft die Möglichkeit, den jeweiligen Kunstwerken sinnlich und spielerisch zu begegnen.

Dauer: ca 1,5 Stunden, ab 6 Jahren. EUR 1,50 / Person

 

Sonntag, 23. Oktober 2016: Familienführung durch Peter Baldingers Ausstellung 'Imagine'
Diese Ausstellung wird sicher ein Spaß für die Kinder - auch, weil die Motive erkennbar werden, wenn man sie durch das Handy mit der Kamerafunktion betrachtet und dadurch die aufgeblasenen Pixel dann ganz klein werden.

 

Einige Eindrücke zu Ausstellung und Vernissage, sowie die Rede von Alexander Klee:

Die Eröffnungsrede Alexander Klee für Peter Baldinger 'Imagine' im forumwolkersdorf, Schloss Wolkersdorf am 1. Oktober 2016

Bilder sind die Möglichkeit einer nonverbalen Kommunikation und übermitteln dem Betrachter rein sinnliche Informationen. Diese Grundlage einem Betrachter bewusst zu machen, trifft in besonderem Maße auf Peter Baldingers Werke zu.

Gerade rechtzeitig zur „Selfi Kultur“ sind sie entstanden, begleiten und hinterfragen dieselbe. Die Zerlegung von Bildern in Quadrate, die Reduktion von Bildteilen auf eine minimale Bildinformation -so scheint es- wird mit der Sehprothese der digitalen Aufnahme zusammengesetzt und näherungsweise der ursprünglichen Bildinformation angenähert - entschlüsselt, d.h. der abgebildete Gegenstand wird rekonstruiert.

Eigentlich nichts Neues, denn die Rasterung von Fotovorlagen in der schwarzweißen Zeitungsfotografie arbeitet vergleichbar. Und auch die Rekonstruktion der gerasterten Fotografien durch die elektronische Verarbeitung ist nichts Neues, denn spätestens in den70er Jahren war man technisch soweit, dass Personen auf Zeitungsfotografien identifiziert werden konnte, z.B. vorwiegend missliebige Demonstranten und politische Gegner.

Hier kommt der Punkt, an dem es interessant wird, denn was passiert eigentlich mit den Personen oder Dingen, die so technisch verarbeitet, teilweise auch manipuliert werden; denn Fotos bilden in der Modebranche, um ein scheinbar harmloses Beispiel zu nennen, die Grundlage, ein vielfach künstliches Ideal zu produzieren und als Werbebotschaft einen Bedarf zu wecken. Feindbilder und Idealbilder können geschaffen und manipuliert werden – und Peter Baldingers Bilder stellen die Frage, nehmen wir das eigentlich noch wahr?

Seine Bilder verweigern sich der rein technischen Sinnlichkeit der Smartphone Displays und deren Bildauflösung. Man nutzt die technische Sehprothese Smartphone gerne, um den abgebildeten Gegenstand, die Person o.ä. zu identifizieren, sie der Verhüllung durch Baldingers Zerlegung in Pixel/Quadrate zu entreißen. Gefangen im Smartphone oder tablet, erschließt sich die Sinnlichkeit der Werke Baldingers jedoch nicht. Dazu bedarf es der Geduld und Übung – bedarf es wirklichem Interesse und Zeit. Erst dann wird der sinnliche Auftrag der Farbe erkennbar, der dem technischen Raster widerspricht, man erfährt man die Wärme der Farben.

Baldingers Werke lassen sich nicht als gegenständlich – realistisch oder ungegenständlich kategorisieren. Auch wenn bekannte Motive wie Dürers Hase, ein Time Life Magazine Titelblatt mit Marilyn Monroe o.ä., von uns als solche wiedererkannt werden, sind sie es in letzter Konsequenz doch nicht.

Subtil führen uns die Bilder vom Highway des schnellen oberflächlichen Konsums weg und verleiten uns immer wieder, unser Augensensorium auf die Probe zu stellen. Eine einfache Sache, einfache Dinge, die ein Bildthema sein können, wie Gummibären oder Pommes, fordern uns heraus. Ohne die künstlichen Hilfsmittel (tablet / Smartphone) tritt die Kunst mit uns in einen Dialog und führt auf die Spur sinnlichen Erfahrens, verlangt eine aktivere Wahrnehmung mit unserem Augensinn.

Baldinger verführt uns nicht wie die simplifizierende Werbesuggestion, das Gegenteil ist der Fall - er macht uns wieder bewusst, dass wir selbst aktiv tätig sein können und müssen, dass Wahrnehmung nicht Täuschung, sondern unsere empfundene Realität ist.

Baldingers Werke sind ein Weckruf an den Augensinn und den Intellekt, die beim Besucher aktiviert werden sollen, die der Verführung zur Trägheit des Augensinnes hellwach widerstehen und der lauernden Gefahr der Sinnestäuschungen gewahr werden.